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Slalomfahrt mit Tücken: Birgit Möser kontrolliert Ihren Zugführer Josef Kilb. Slalomfahrt mit Tücken: Birgit Möser kontrolliert Ihren Zugführer Josef Kilb.

Mit dem 12-Tonner Slalom fahren

(Ein Bericht der Frankfurter Neuen Presse)

 

Wie schwer ist es, einen Feuerwehr-Brummi zu steuern? Wir haben auf dem Beifahrersitz Platz genommen

 

Die Feuerwehr Fischbach bietet seit diesem Jahr Fahrerschulungen mit Einsatzwagen an. Alle drei Trainingstermine am Bauhof Kelkheim waren bestens besucht. Kreisblatt-Mitarbeiterin Tina Schehler ist mitgefahren.

 

Kelkheim/Fischbach. Alex Markozic (30) schwitzt. Ihm läuft der Schweiß die Stirn herunter. Und das nicht nur, weil es an diesem Tag heiß ist. Schon allein das Lenken des 12 Tonnen schweren, sieben Meter langen und 2,30 Meter breiten Tanklöschfahrzeugs TLF 1625 macht Mühe. Er muss sich konzentrieren und rangieren. "Wenden im Innenhof" heißt die Aufgabe, die er gerade zu bewältigen hat. Zentimeterarbeit. Ein enger Bezirk wurde dafür vor dem Kelkheimer Bauhof abgesperrt. Markozic hat Spiegel auf beiden Seiten zur Verfügung und eine Kamera im Cockpit, die ihm anzeigt, was hinter ihm los ist. Trotzdem: Sein Kollege außerhalb des Wagens, der Sicherungsposten, darf heute wenig helfen. Im Normalfall ist aber auf ihn Verlass.

Nächste Aufgabe: eine Slalomfahrt um mehrere Pylonen herum, die parkende Autos simulieren. Dann das Ganze noch einmal rückwärts. Nach einer Gefahrenbremsung, die die im Fahrzeug wirkenden Kräfte nur allzu deutlich macht, muss zum Schluss in eine enge Gasse (an einem hohen Zaun entlang) eingefahren werden. Dann ist es geschafft. "Super war‘s", sagt Alex Markozic und wischt sich die Stirn ab. "Aber es hat gezeigt, dass Männer nicht multitaskingfähig sind", sagt er, lacht und zeigt auf mich: "Sie hat mich die ganze Zeit ausgefragt." Vorher war er schon mit dem 7,5 Tonnen schweren, kleineren Gerätewagen LF 8 auf der Strecke gewesen.

 

Im Einsatz ist alles anders

Markozic, bereits seit 18 Jahren bei der Fischbacher Wehr, hat vor zwei Jahren den Lkw-Führerschein gemacht und auch schon beim ADAC ein Fahrsicherheitstraining absolviert. "Aber im Einsatz ist alles anders, da kommt das Adrenalin dazu", sagt er. Er findet die Möglichkeit, ein solches Fahrtraining zu machen, super: "Hier kann man Gefahrensituationen in Ruhe üben. Das gibt viel Selbstsicherheit."

56 Wehrleute sind in der Einsatzabteilung, 28 haben den Lkw-Führerschein, erfahre ich von Benjamin Liebenthal, ebenfalls Mitglied der Einsatzabteilung. "Heute ist auch Birgit Möser beim Training dabei", sagt er. Die einzige Frau im Team, die im Einsatzfall den Feuerwehrwagen lenken kann. Einige der Feuerwehrleute haben den Führerschein bei der Bundeswehr gemacht, andere aktive Mitglieder haben von Feuerwehrverein und der Stadt Kelkheim Zuschüsse erhalten. "Es ist immer gut, wenn man viele Fahrer zur Verfügung hat. Denn gerade tagsüber sind nicht alle sofort greifbar", sagt Liebenthal.

Das Fahrertraining sei wie ein großer Geschicklichkeitsparcours. Vorreiter war die Feuerwehr in Kelkheim-Mitte, die vor einigen Jahren bereits mit solchen Trainings begann. "So lernen die Fahrer die Fahrzeuge richtig kennen, die Ausmaße und das Verhalten in Gefahrensituationen. Im Einsatz ist man angespannt, man schaut immer, wie sich die anderen verhalten", erklärt Liebenthal.

Was wäre zum Beispiel, wenn ein Kind vors Fahrzeug läuft, wenn die Wehr gerade zum Einsatz fährt? Im Straßenverkehr lässt sich eine Gefahrenbremsung nur schwer ausprobieren. Alex Markozic fällt es gar nicht leicht, aus der Geschwindigkeit voll in die Eisen zu gehen. "Kein gutes Gefühl", sagt er und holt erst einmal Luft. "Da drücken 2500 Liter Wasser." ABS hat das Gefährt, Baujahr 1984, auch noch nicht.

 

Vorrang für Routiniers

Erst einmal durchatmen und ab zum nächsten Übungspunkt. Markozic ist froh, dass er jetzt die Möglichkeit hat, intensiv mit dem Fahrzeug zu üben. Einige Fahrer haben sogar bei mehreren Terminen mitgemacht. Bisher habe er lediglich bei Fahrten durch Kelkheim das Fahrzeug näher kennengelernt. Ausprobieren war da nicht möglich – schließlich müsse er stets darauf achten, nur ja keinen Pkw anzukratzen, sagt er. "Ich habe bisher bei einem Einsatz, wenn möglich, lieber einen erfahrenen Lenker vorgelassen." Er ist sich aber sicher: "Dieses Training gibt die Berechtigung, im Einsatz zu fahren."(tin)