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Betrachtet man die jüngste Entwicklung der Freiwilligen Feuerwehr Fischbach und ihre personelle Zusammensetzung im Jubiläumsjahr, so wird deutlich, dass die in der Jugendfeuerwehr und bei den Minilöschern geleistete Nachwuchsarbeit ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Wehr ist.

Diese Jugendarbeit beginnt allerdings nicht erst mit der offiziellen Gründung unserer Jugendfeuerwehr im Jahr 1977.

Der erste Ansatz, jugendliche Kräfte im Feuerwehrdienst einzusetzen, stammt aus den Jahren des zweiten Weltkrieges. Da sich die meisten Mitglieder der Feuerwehr im Kriegseinsatz befinden, werden Mitglieder der „Hitler-Jugend“ unter der Leitung von J. Abt zu Löscheinsätzen herangezogen.

Dass erst lange nach Kriegsende wieder der Gedanke an die Einbeziehung von Jugendlichen aufkommt, liegt im langwierigen Wiederaufbau der Nachkriegszeit begründet. Im Juni 1964 haben sich schließlich genug interessierte Jugendliche zusammengefunden, um eine „Schülerfeuerwehr“ ins Leben zu rufen. Mitglieder dieser ersten Gruppe, die seit 1965 unter dem Namen „Jugendfeuerwehr“ geführt wird, sind unter anderem H. Sauer, W. Kalig, H. Wohlleber, G. Nadler, B. Czommer, R. Stecher, H. Mader, K. Kilb, G. Fischer, W. Wiemann, H.-P. Wilhelm und K.-P. Schleicher. Diese Gruppe findet sich nach einem Brand am Fischbacher „Köppche“ zusammen, bei dem die Schüler tatkräftig unterstützen.

Geleitet und ausgebildet wird die Jugendwehr von Wehrführer Bernhard Wohlleber, unterstützt von Karl Guckes und Rolf Rosenkranz. Am 15. Januar 1965 präsentiert sich die 14 Mann starke Truppe erstmals der Öffentlichkeit: Mit dem neu beschafften Tragkraftspritzenfahrzeug der Wehr wird eine Schauübung durchgeführt. In seinem Bericht über das Jahr 1965 kann der Wehrführer eine positive Bilanz der bis dahin geleisteten Arbeit ziehen: Er lobt die gute Kameradschaft mit und unter den Jugendlichen und stellt fest, dass keiner von ihnen unentschuldigt beim Dienst gefehlt habe.

Trotz des vielversprechenden Beginns hat diese erste Truppe keinen Bestand. Gründe sind zum einen die räumlich beengten Verhältnisse im 1958 erbauten Gerätehaus, zum anderen die Schwierigkeit, einen Kameraden für den Posten des Jugendwartes zu gewinnen. Fast schon resignierend klingen die Anmerkungen in den folgenden Jahresberichten. Des Weiteren fehlt die Unterstützung der übergeordneten Behörden.

Als 1972 mit dem langersehnten Umbau des Gerätehauses das Raumproblem gelöst wird, gibt es zwar genug Platz, aber keine Jugendgruppe mehr.

Doch die Zeiten ändern sich: Die Bedeutung der Jugendarbeit für den Fortbestand der Feuerwehr wird zunehmend erkannt. Während der siebziger Jahre folgt eine große Gründungswelle von Jugendfeuerwehren im Main-Taunus-Kreis. Ermuntert vom damaligen Kreisbrandinspektor Erwin Bender macht man sich auch in Fischbach an die (Wieder-)Gründung einer eigenen Jugendabteilung.

Im Januar 1977 beginnt man mit der Ausbildung, am 15. April wird die Jugendfeuerwehr beim Kreisjugendfeuerwehrverband angemeldet und am Sonntag, dem 2. Oktober 1977, ist es dann offiziell: Man lädt zur Gründungsfeier der Jugendfeuerwehr Fischbach ins Gerätehaus.

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Kreisbrandinspektor Bender, Kreisjugendfeuerwehrwart Ochse, Stadtbrandinspektor Hoppe und der Kelkheimer Branddezernent Dörr sind als Ehrengäste dabei, als der erste Fischbacher Jugendfeuerwehrwart, Rudolf Müller, den 21 Jugendlichen die Ausrüstung übergibt. Diese bestehen aus Helm, Schiffchen, blauen Dienstjacken und „Kombis“. Handschuhe und Stiefel werden erst einige Jahre später beschafft. Stellvertreter von Jugendwart Rudolf Müller ist Patrick Karger.

Vielversprechend geht es weiter: 1978 wird der bisher unübertroffene Höchststand von 27 Jugendfeuerwehrleuten erreicht. Am 20. Mai 1978 stellt sich erstmals eine Fischbacher Gruppe zum Wettkampf der Deutschen Jugendfeuerwehr auf Kreisebene.

Am 10. November 1979 präsentiert sich die Jugendwehr am „Tag der offenen Tür“ mit einer Schauübung der Öffentlichkeit.

Zu den Höhepunkten der damaligen Jugendarbeit gehören die auf dem Gartengelände von Jugendwart Rudolf Müller durchgeführten Zeltlager. Größere Fahrten unternimmt die Jugendfeuerwehr erst, nachdem Heinz Sauer 1983 die Gruppe als neuer Jugendfeuerwehrwart übernimmt. So geht es 1984 nach Wabern in der Nähe des Edersees und 1985 nach Bonndorf-Gündelwangen im Schwarzwald. 1986 und 1987 heißt das Ziel Marienberg im Westerwald.

Seit 1977 nimmt die Jugendwehr jedes Jahr am Fußballturnier der Kelkheimer Jugendfeuerwehren teil. Höhepunkt ist der Turniersieg der Fischbacher Mannschaft 1986, beim letzten Turnier dieser Art.

Auch in die feuerwehrtechnische Seite der Jugendfeuerwehrarbeit kommt neuer Schwung. Unterstützt vom Wehrführer Harald Metzler kann Heinz Sauer jedes Jahr eine Gruppe beim Bundeswettkampf der Jugendfeuerwehr auf Kreisebene stellen. Herausragend ist das Jahr 1988, als die Jugendfeuerwehr Fischbach mit dem sechsten Platz beim Wettkampf auf Kreisebene ihr bis dahin bestes Ergebnis erreicht und erstmals Fischbacher Jugendfeuerwehrleute die Leistungsspange der Deutschen Jugendfeuerwehr erhalten.

Elf Mitglieder hat die Jugendfeuerwehr, als im Januar 1990 Norbert Rost das Amt des Jugendfeuerwehrwartes von Heinz Sauer übernimmt. In seiner Amtszeit ändert sich zum einen das äußere Erscheinungsbild der Jugendfeuerwehr: Die bis dahin verwendeten blauen Jacken und „Schiffchen“ werden durch zeitgemäße Sweatshirts und die alten „Kombis“ durch das neue einheitliche Modell der Deutschen Jugendfeuerwehr ersetzt.

Zum anderen ist dem neuen Jugendwart die Zusammenarbeit mit den anderen Jugendfeuerwehren der Stadt Kelkheim wichtig. Dies zeigt sich vor allem bei Zeltlagern und Ausflügen. 1991 geht es gemeinsam mit den Jugendwehren aus Eppenhain, Kelkheim-Mitte und Hornau nach Hesseneck-Schöllenbach im Odenwald, 1993 mit Kelkheim-Mitte nach Mengerskirchen-Probbach bei Weilburg und 1994 mit Ruppertshain, Eppenhain und Münster nach Rennerod-Westernohe im Westernwald.

Unterstützt von Kameraden der Einsatzabteilung kann Norbert Rost die feuerwehrtechnische Leistungsfähigkeit der Jugendfeuerwehr stark verbessern. So wird 1991 der fünfte und 1992 der vierte Platz beim Bundeswettkampf auf Kreisebene errungen. Ganze sechs Jugendliche sind schließlich 1994 bei der Abnahme der Leistungsspange erfolgreich.

Als Ersatz für das 1986 zum letzten Mal veranstaltete Fußballturnier wird 1992 ein gemeinsames Tischtennisturnier der Kelkheimer Jugendfeuerwehren ins Leben gerufen. Hier ist die Fischbacher Mannschaft besonders erfolgreich. In den Jahren 1992 bis 1994 wird das Turnier drei Mal in Folge gewonnen und der Wanderpokal der Stadt Kelkheim nach Fischbach geholt.

Auf Norbert Rost gehen auch andere Veranstaltungen der Jugendfeuerwehr zurück, die bis heute zu unserer Jugendarbeit gehören, wie beispielsweise die Sicherstellung des Brandschutzes des alljährlichen Martinsfeuers.

Fünfzehn Mann ist die Jugendfeuerwehr stark, als nach Ablauf von Norbert Rosts Amtszeit im Januar 1995 Gerd Schmidt das Amt des Jugendwartes antritt.

Auf feuerwehrtechnischer Seite beginnt 1995 eine neue Ära, als das alte Löschgruppenfahrzeug LF 8 nach 26 Jahren durch ein neues LF 8/6 TH ersetzt wird. Durch die Ausbildung an diesem Fahrzeug lernen die Fischbacher Jugendfeuerwehrleute den Umgang mit neuestem technischen Gerät.

Auch die Zusammenarbeit mit anderen Jugendfeuerwehren auf Stadt- und auch auf Kreisebene bleibt ein wichtiges Element der Jugendarbeit. Dafür stehen die mit den anderen Kelkheimer Jugendwehren durchgeführten Veranstaltungen wie Nachtwanderungen, Alarmübungen und Geländespiel, aber auch gemeinsame Ausflüge wie 1996 ins Technikmuseum Sinsheim.

Dazu gehören auch die gemeinsamen Zeltlager. Nach Vöhl-Holzhausen am Edersee geht es gemeinsam mit den Jugendwehren Kelkheim-Mitte, Eppenhain und Münster 1995, ein Jahr später folgt mit Münster und Eppenhain ein Zeltlager in Waldweiler im Hunsrück und 1997 eine Herbergsfahrt nach Freusburg bei Siegen, bei der neben Fischbach auch die Jugendfeuerwehren von Münster, Hornau und Eppenhain mit von der Partie sind.

Höhepunkt dieser Zusammenarbeit ist die Fahrt von sieben Jugendfeuerwehren des Main-Taunus-Kreises nach Prag im Oktober 1997, an der wir mit 12 Teilnehmern beteiligt sind.

Eine neue Bestplatzierung beim alljährlichen Bundeswettbewerb kann die Jugendfeuerwehr 1998 erzielen: Es wird der dritte Platz erreicht. Eine weitere erfreuliche Nachricht für die Jungs sind die eigenen Spinde, die in der Umkleide der Einsatzabteilung bezogen werden können.

Zur Jahrtausendwende wird das Amt des Jugendwartes von Gerd Schmidt an Heinz-Peter Niehaus übergeben. Unterstützt wird er von Volker Steinig.

Zwei Jahre nach der ersten Frau in der Wehr stößt 2002 nun auch das erste Mädchen zur Jugendfeuerwehr. Des Weiteren findet zum ersten Mal die Tannenbaumaktion statt. Es ist der Start einer langen Tradition, bei der die jungen Brandschützer in gesamt Fischbach am Ende der Weihnachtsferien die Weihnachtsbäume gegen eine kleine Spende einsammeln.

2005 wird erstmals die Jugendflamme Stufe 1 abgenommen. Während sich die Leistungsspange nur an die Ältesten richtet, ist diese auch eine Motivation für die Jüngeren der Jugendfeuerwehr. Hierbei müssen die Jungen und Mädchen einfache feuerwehrtechnische Übungen absolvieren.

Im Folgejahr, 2006, gibt es erste Gespräche und Überlegungen, eine neue Abteilung für Kinder von sechs bis zehn Jahren zu gründen. Es wird zunehmend festgestellt, dass das Eintrittsalter von zehn Jahren für einige zu spät ist, weil schon andere Hobbies vorhanden sind und so keine Zeit für die Jugendfeuerwehr bleibt.

Ein Jahr später ist es dann so weit, am 15. November 2007 wird unter den Namen „Minilöscher“ eine Abteilung für die Kleinsten gegründet. Birgit Möser übernimmt die Leitung, unterstützt wird sie durch Anja Müller und Sigrun Keizers. Auf spielerische Art und Weise wird den Kindern ab sechs Jahren die Feuerwehr nähergebracht. Sie ist die dritte dieser Kinderfeuerwehren in Kelkheim.

Auch für die Kinder der Minilöscher wird 2013 erstmals ein Abzeichen verliehen. Bei der Kinderflamme können die Kinder, je nach Alter, ihr feuerwehrtechnisches Wissen und Können unter Beweis stellen. Mit ihren Fertigkeiten können die Minilöscher so das ein oder andere Elternteil beeindrucken.

Anfang 2013 übernimmt Erik Hammersen den Posten des Jugendfeuerwehrwarts, unterstützt wird er durch Tobias Müller.

Unter dem neuen Jugendfeuerwehrwart kann die Jugendfeuerwehr direkt einen Erfolg verbuchen, der einigen wohl in Erinnerung bleiben mag: Erstmalig gewinnt die Gruppe 2014 den ersten Platz beim Bundeswettbewerb auf Kreisebene und qualifiziert sich somit für den Landesentscheid in Korbach.

Die Jugendfeuerwehr besteht aus einer leistungsstarken, engagierten Truppe; auch 2015 und 2016 kann der erste Platz beim Bundeswettbewerb gesichert werden und man sich zum Landesentscheid qualifizieren. Durch den dreimaligen Sieg des Kreisentscheids darf der Wanderpokal dauerhaft behalten werden. Der wohl größte Pokal in der Feuerwehr Fischbach ziert seitdem den Flur des Gerätehauses.

Ein weiteres Highlight für die Jugendlichen der Jugendfeuerwehr ist 2017 ein ganz besonderes Zeltlager. Während man in den letzten Jahren in Deutschland geblieben ist, geht es in diesem Jahr mit allen Jugendfeuerwehren der Stadt in die Niederlande. Gleich zu Beginn trifft ein Schauer den Zeltplatz in Zeewolde, vereint muss ein Abwassersystem für das Regenwasser geschaufelt werden, damit wenigstens das Innere der Zelte trocken bleibt. In den anschließenden Tagen kann bei besserem Wetter die Zeit auf einem Segelboot, in Schwimmbädern und einem Feuerwehrmuseum verbracht werden.

Die Coronapandemie trifft auch die Jugendabteilungen der Feuerwehr Fischbach mit aller Härte. Die Übungen und Treffen müssen überwiegend ausfallen, es besteht allgemeines Betretungsverbot der Gerätehäuser, außer für Einsätze. Doch die Kreativität der Betreuer kann zumindest zum Teil das weggefallene Angebot kompensieren, es werden Übungsaufgaben und Rätsel nach Hause gebracht und auf Onlinetreffen ausgewichen. Dennoch sind alle froh, dass nach einem Jahr langsam wieder zu mehr Normalität zurückgekehrt werden kann.

Da der Jugendfeuerwehrwart Erik Hammersen mit seinem neuen Amt als Wehrführer andere Aufgaben übernimmt, wird Sven Möser am Jahresende 2020 zum neuen Jugendfeuerwehrwart gewählt.

Erstmalig tritt 2021 eine gemeinsame Staffel der Jugendfeuerwehr Fischbach und der Jugendfeuerwehr Schloßborn zur Leistungsspange an. Eine besondere und eher ungewöhnliche Kooperation, denn die Schnittstellen der beiden Feuerwehren sind aufgrund der unterschiedlichen Landkreise eher selten. Die Leistungsspange ist die höchste Auszeichnung der Jugendfeuerwehr. Die Jugendlichen müssen in fünf Disziplinen (Löschangriff, Schnelligkeitsübung, 1.500 m-Staffellauf, Kugelstoßen und in einem theoretischen Teil) glänzen. Die Leistungsspange wird von allen Teilnehmenden erfolgreich absolviert.

Auch bei den Minilöschern steht 2021 ein Wechsel der Leitung an. Julia Bormann trägt fortan die Verantwortung über die Minilöscher.

Da sich die Kinder einen intensiveren Einblick in die Feuerwehr wünschen, rückt nun die feuerwehrtechnische Ausbildung wieder in den Vordergrund.

Aber die regelmäßigen Veranstaltungen der Minilöscher bleiben selbstverständlich erhalten. So kann 2022 mit den Minilöschern der anderen Stadtteile zum wiederholten Mal das Maislabyrinth in Liederbach besucht werden. Des Weiteren führen die Minilöscher 2023 erstmalig eine Übernachtung im Gerätehaus durch. Diese findet überaus guten Anklang bei den Kindern.

Betrachtet man die Mitglieder der Einsatzabteilung, so kommt fast die Hälfte der heutigen Einsatzabteilung aus den Reihen der Jugendfeuerwehr, und knappe 20% bestreiten ihre Feuerwehrlaufbahn seit den Minilöschern.